Die orthodoxe Mönchsrepublik Athos

Der östliche Finger der Halbinsel Chalkidiki ist ein Klosterland

11.10.2009 Harald Rossa

Die Mönchsrepublik Athos ist zwar kein eigener Staat, doch mit sehr weit reichender innerer Autonomie versehen worden. Das betrifft auch die Beschränkung des Zugangs.

Der Heilige Berg Athos, griechisch Ágion Óros genant, bezeichnet mehrere Dinge. Einmal ist es die Bezeichnung für den östlichen Finger der Halbinsel Chalkidiki. Auf dieser Halbinsel gibt es dann noch die 2.033 Meter hoch aufragende Erhebung, die auch Athos genannt wird. Und schließlich wird die orthodoxe Mönchsrepublik auf der Halbinsel ebenfalls verkürzt mit dem Namen Athos belegt.

Die Mönchsrepublik Athos hat einen besonderen Status mit weitgehender innerer Autonomie. Sie ist aber kein selbstständiger Staat, sondern Teil der Region Zentralmakedonien in Griechenland. Diese Mönchsrepublik umfasst ein Gelände von rund 336 Quadratkilometern. Gut 2.200 Männer, in der Mehrzahl Mönche orthodoxen Glaubens, leben ständig auf dem Heiligen Berg.

Der Status der Mönchsrepublik Athos

Die Mönchsrepublik Athos ist nach dem Völkerrecht ein Teil Griechenlands. Sie hat aber einen besonderen Autonomiestatus und die inneren Angelegenheiten und die Verwaltung des Gebietes liegen in der Hand der dort lebenden Mönche. Der Athos ist steuerlich und zollrechtlich kein Gemeinschaftsgebiet der EU.

In der Mönchsrepublik ist jedes Kloster autonom. Es wird von einem auf Lebenszeit gewählten Abt geleitet, der es auch in den Gremien der Mönchsrepublik vertritt. 20 Klöster gehören zur Mönchsrepublik. Und zu jedem Kloster können noch Zweigklöster (Metóchia), Mönchsdörfer (Skiten) und Einsiedeleien (Kelliá) gehören.

Im Hauptort Karies der Mönchsrepublik steht die Kirche des Protaton sowie das Gebäude der Heiligen Versammlung (Hierá Sýnaxis) der Äbte aus den 20 Klöstern. Diese Heilige Versammlung ist Legislative und Judikative der Mönchsrepublik. Verwaltet wird die Mönchsrepublik von der so genannten Iera Kinotia, der Heiligen Gemeinschaft. Ihr gehört je ein Vertreter der 20 Klöster an, die fünf Gruppen bilden. Es wird ein Verwaltungsrat aus vier Epistates (Aufseher) und einem Protepistatis (Oberaufseher) gebildet. Dieser Verwaltungsrat regelt die finanziellen und rechtlichen Angelegenheiten der Mönchsrepublik.

Dann gibt es auf Athos noch den Gouverneur der Republik Griechenland. Der untersteht dem griechischen Außenministerium und ist zusammen mit einigen Beamten und Polizisten für Sicherheit und Ordnung zuständig.

Der Besuch auf dem Athos

Für einen Besuch auf dem Athos braucht jeder Mann erstmal eine Genehmigung. Und die Zahl der Genehmigungen, die erteilt werden, ist strikt limitiert. Die größere Hälfte der Menschheit braucht sich darum gar nicht erst bemühen. Denn Frauen dürfen die Mönchsrepublik nicht betreten. Und männliche Wesen brauchen Geduld für die Formalitäten, die sie bis zur Einreiseerlaubnis zu erledigen haben. Was zu tun ist, wie es zu tun ist und wo es zu tun ist, das kann einem mehrseitigen Merkblatt über den Besuch des Heiligen Berges Athos des Deutschen Generalkonsulates in Thessaloniki entnommen werden.

Die Begründung des Zutrittverbots für Frauen

Der Athos wird auch Garten der Gottesmutter (to perivóli tis Panagías) genannt. Er ist theologisch ausschließlich Maria, der höchsten Heiligen der orthodoxen Kirche, vorbehalten. Sie vertritt alle Frauen der Welt auf dem Heiligen Berg. Deshalb ist allen anderen Frauen der Zutritt zum Berg Athos untersagt. Ávaton wird diese alte Regel für die Mönchsrepublik genannt. Auch weibliche Tiere sind grundsätzlich auf Athos nicht erwünscht. Davon gibt es allerdings aus praktischen Erwägungen Ausnahmen. Und wildlebenden Tieren sind die diesbezüglichen Gebote der Mönche eh schnuppe.

Die Anreise zum Athos

Wer in Thessaloniki seine Papiere für die Einreise auf den Athos in Empfang nehmen durfte, der muss dann nach Ouranopolis, dem letzten zugänglichen Ort vor der Halbinsel der Mönche. Von dort geht es per Boot nach Dafni. Von da aus führt eine Straße hinauf nach Karies, dem Hauptort der Mönchsrepublik.

Inzwischen sind alle 20 Klöster auf der Halbinsel an das Straßennetz angeschlossen. Mit Geländewagen oder Bussen werden regelmäßige Verbindungen angeboten. Dennoch ist auch heute noch die Fortbewegung zu Fuß dem Ort am ehesten angemessen. Einige Mönchsdörfer und Einsiedeleien sind auch heute nur über Maultierpfade oder per Schiff zu erreichen.

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